Werkvergleich – Georg Büchner: Dantons Tod – Max Frisch: Homo Faber – Peter Stamm: Agnes Vergleichsthema Schicksal und Zufall

Werkvergleich – Georg Büchner: Dantons Tod – Max Frisch: Homo Faber – Peter Stamm: Agnes

Vergleichsthema Schicksal und Zufall

Dantons TodHomo FaberAgnes
Grundlegende Positionen: An was glauben Danton, Faber und Agnes?
Dantons hat ambivalentes Verhältnis zum Schicksal: Einerseits ist er Fatalist, andererseits ergreift er durch seinen Fluchtversuch und die Rede vor dem Tribunal Initiative und greift somit bewusst in das Geschehen ein

 

Faber schließt das Schicksal aus und begründet alles Geschehende mit mathematischen Zufallswahrscheinlichkeiten. Die Realität spiegelt sich immer in Statistiken und objektiven Daten wieder.Der Erzähler hat Gestaltungsmacht über das Schicksal: Er formuliert die Zukunft der fiktiven Agnes und formt nach der Trennung von Agnes die Beziehungsvergangenheit positiv um.
Entwicklung der Protagonisten im Zusammenhang mit Schicksal und Zufall
Danton hatte früher eine bedeutende Stellung in der Revolution. Später mäßigte er seine politischen Positionen, gesellte sich zu den Dantonisten und entwickelte einen epikureischen, passiven Lebensstil (-> „Jeder muss in seiner Art genießen können“, S. 7, Z. 20ff)

Danton wurde Fatalist und Nihilist.

Erst in Angesicht der nahenden Exekution griff er durch den abgebrochenen Fluchtversuch und die Rede vor dem Konvent in die Situation ein. Dantons Lebenswille hat sich geändert: Statt die Situation bedingungslos zu akzeptieren, versuchte Danton zum Schluss verzweifelt, sie zu verändern.

Faber ist ein Rationalist, was u.a. biographische Gründe hat: Faber ist Ingenieur für Unesco und hat ein sehr technisches Weltbild: Alles lässt sich wissenschaftlich begründen. Faber hat sich vor Gefühlen, Mythen und allem Subjektiven verschlossen – er lebte in seiner objektiven Realität. Faber kommt jedoch durch die dichte Abfolge unwahrscheinlicher Ereignisse zum Nachdenken. Nach dem Tod seiner Tochter stützt sein rationales Weltbild endgültig ein, auf seiner anknüpfenden Reise lernt er die Welt ohne Distanz ganz emotional kennen.Der Erzähler nahm durch das selbstgeschriebene Buch durchgehenden Einfluss auf die fiktive Agnes und somit das Zeitgeschehene. Ereignisse wie der Tod des ungeborenen Kindes werden durch das Buch umgedeutet und geschönt. Agnes Tod wird antizipiert, der Erzähler nimmt das Schicksal vorweg.
Was ist die Rolle des Schicksals und wie zeigt sich das?
Danton nimmt das Schicksal bedingungslos hin. (-> „Puppen sind wir von unbekannten Gewalten am Draht gezogen“, S. 42) Somit übt das Schicksal einen starken Einfluss auf Dantons Leben und seine politische Karriere aus.Faber distanziert sich immer wieder klar vom Schicksal und argumentiert mit Wahrscheinlichkeit. Er versucht, Kontrolle über die verschiedenen Situationen zu erlangen. Dennoch kommt das Schicksal oft dazwischen und zwingt Faber, sich mit dem Unwahrscheinlichen auseinanderzusetzen. Beispielsweise stützt er mit dem Flugzeug ab, trifft seine Tochter, verliebt sich in sie und verliert sie letztendlich durch sein irrationales Handeln und Verdrängen. Das Schicksal übt, obwohl Faber dies partout leugnet, einen starken Einfluss auf Fabers Leben aus.Das Schicksal kommt in dem selbstgeschriebenen Buch zum Ausdruck. Der Erzählt hat volle Gewalt über das Schicksal und gestaltet es in Vergangenheit, Gegenwart und letztlich auch für die Zukunft. Das Schicksal als solches spielt eine sehr starke Rolle, denn ab einem gewissen Zeitpunkt übernimmt der Erzähler absolute Kontrolle über Agnes (-> „Ab jetzt war Agnes mein Geschöpf“, S. 62)

 

Wie nimmt das Umfeld Einfluss auf die Einstellung der Protagonisten?
Die politischen Anhänger, die Dantonisten, versuchen mehrfach, auf Danton einzuwirken und ihn umzustimmen. Danton lässt sich jedoch davon nicht beeindrucken und reagiert zum Teil ironisch auf die Überzeugungsversuche. Großen Rückhalt erfährt Danton von seiner Frau, die mit ihm in den Tod geht, um ihm nahezustehen: Danton zu Liebe nimmt sie sich das Leben und greift somit radikal in ihr Leben ein. Sie akzeptiert zusammen mit Danton das Schicksal.Faber weigert sich, Gefühle zuzulassen und sie zu zeigen. Sein Umfeld (Elsbeth und Hannah) halten von Fabers rationalem Weltbild und sehen im Schicksal mehr, als Zufälle und Wahrscheinlichkeit. Durch die Begegnung mit Juana auf Kuba fühlte sich Faber jung, erleichtert und unbeschwert, er ließ sich auf die schicksalhafte Begegnung ein und löste sich teilweise vom sonst so strengen Rationalismus.Agnes möchte, dass der Erzähler eine Geschichte über sie verfasst (-> „Könntest du nicht eine Geschichte über mich schreiben?“, S. 48). Immer stärker hat der Erzähler das Schicksal nach eigenem Belieben gestaltet. Agnes hat dies anfangs akzeptiert, aber nun möchte sie sich der Gewalt fiktiver Geschichten entziehen, da Bücher zu viel Einfluss auf ihre Realität nehmen. (-> „Ich lese nicht mehr viel (…) Weil ich nicht mehr wollte, dass Bücher Gewalt über mich haben“, S. 120) Agnes starb an der starken Einflussnahme des Erzählers auf das Schicksal. (-> „Agnes ist Tod. Eine Geschichte hat sie getötet“, S. 9)

 

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